Ur- und Frühgeschichte

Wer die Vorfahren der Japaner sind und woher sie kamen, bleibt noch zu erforschen. Die ältesten Spuren ihrer Kultur stammen aus der Jômon-Zeit (ca.7500 v.Chr – 300 v.Chr). Archäologische Funde gaben der Periode ihren Namen: Keramiken, die mit >Schnurmustern< verziert waren. Die Menschen jener Zeit - Jäger, Fischer und Sammler - lebten mit wenig Kontakt zur Außenwelt in Grubenhäusern.
Archäologische Funde belegen, dass die Yayoi-Zeit (ca.300 v.Chr – 300 n.Chr) mehr als eine Weiterentwicklung der Jômon-Periode war. So verwendeten die Menschen in dieser Zeit neben Geräten aus Stein bereits Bronze- oder Eisenwerkzeuge. Sie dienten auch vermutlich weniger als praktische Hilfsmittel. Es waren wohl vielmehr Gerätschaften für Zeremonien, die ihrem Besitzer erste Vorrechte sicherten. Es wird angenommen, dass die Kenntnisse der Metallverarbeitung von China über Korea nach Japan gelangten. Chinesische Einwanderer brachten auch die Technik des Nassreisanbaus auf die japanischen Inseln. Reis wurde schließlich zum Hauptnahrungsmittel der Menschen, die mittlerweile in hierarisch organisierten Dorfgemeinschaften und Ansiedlungen zusammenlebten.
Zu Anfang des 3. Jahrhunderts begannen erste kriegerische Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Stämmen. Nach chinesischen Quellen gelang es den Stammesführern der Yamato-Sippe die lokale Vorherrschaft zu erringen und bis zum Ende des 6. Jahrhunderts zur Zentralgewalt auszubauen. Nach ihrem Tod ließen die Herrscher des Yamato-Reiches riesige Gräber (kofun) anlegen, die der Epoche Kofun-Zeit (300–710) ihren Namen gaben.
Durch die intensiven Austauschbeziehungen mit dem Festland seit dem 6. Jahrhundert wuchs vor allem der chinesische Einfluss auf das kulturelle und geistige Leben im Yamato-Reich. In der Folge führte die herrschende Elite eine Vielzahl von ökonomischen und sozialen Reformen durch, um nach chinesischem Vorbild einen stark zentralisierten Staat mit dem Kaiser an der Spitze zu schaffen. Aber erst mit dem sogenannten Taihô-Kodex von 701/2 war dieses Ziel erreicht und ein straff gegliederter Beamtenapparat regierte im Namen des Kaisers fortan das Land.

Altertum

Um 710 wurde die kaiserliche Residenz nach Nara verlegt. Im Umkreis des Hofes erbauten Architekten eine Hauptstadt nach dem Vorbild der chinesischen Metropole Chang’an. Chinesisch war auch die Sprache der Verwaltung, der Wissenschaft, der Religion und der Literatur. Während der Nara-Zeit (710-784) gelang es dem Kaiserhaus seine Macht zu stabilisieren. Der zentral organisierte Beamtenstaat wurde weiter ausgebaut und festigte die Machtstellungen einflussreicher Adelsfamilien. Infolge der intensiven Förderung durch den Kaiser erstarkte auch die buddhistische Geistlichkeit und wurde im ausgehenden 8. Jahrhundert zu einem politischen Machtfaktor. Anhänger der buddhistischen Sekten sind vor allem Adlige, die prächtige Tempel bauen ließen und sie finanziell unterstützten. Am Ende der Nara-Zeit war es schließlich einigen Mönchen gelungen, über die räumliche Nähe der Tempel zum Kaiserhof auf Regierungsentscheidungen einzuwirken. Diese politischen Machtverhältnisse und anwachsende wirtschaftliche Probleme erforderten erneut eine Verlegung der kaiserlichen Hauptstadt. Den buddhistischen Sekten allerdings wurde der Umzug in die neue Hauptstadt Heian-kyô (heute Kyôto) untersagt, so dass Nara als Zentrum buddhistischer Macht erhalten blieb.
Die Heian-Zeit (794-1185) war eine Epoche der Gegensätze: scheinbar unberührt von den chaotischen politischen Machtverhältnissen in den Provinzen und der Hauptstadt, lebten die Höflinge der unteren und mittleren Schichten abgeschieden hinter dicken Palastmauern in einer Scheinwelt, in der Geschmack, Eleganz in Dichtkunst und Malerei, Mode und Auftreten über das Ansehen am Hof entschieden.
Bis zur Mitte der Heian-Zeit konnten sich die Kaiser auf einen funktionierenden Beamtenapparat stützen und unangefochten regieren. Doch allmählich verloren sie ihre Macht an die Fujiwara-Familie, deren Angehörige für etwa 200 Jahre im Amt des Regenten für eine Reihe japanischer Kaiser die Regierungsgeschäfte führte. Doch mit dem Aufstieg des in den Provinzen neu entstandenen Schwertadels gegen Ende des 11. Jahrhunderts, büßte die Hofaristokratie allmählich ihren Einfluß am Hof ein. Zudem bestieg 1068 erstmals wieder ein Kaiser den Thron, der keine verwandtschaftlichen Beziehungen zu den Fujiwara hatte. Um den Einfluß der Fujiwara auf wichtige politische Entscheidungen endgültig zu zerstören, dankte dieser Kaiser nach nur vier Jahren auf dem Thron ab, um als Mönch aus dem Hintergrund die herrschenden Kaiser manipulieren zu können. Diese „indirekte Kaiserherrschaft“ währte etwa 100 Jahre und begünstigte letztendlich den Verfall der zentralstaatlichen Ordnung. Mächtige Kriegerfamilien erhoben zum Ende der Heian-Zeit Anspruch auf die politische Herrschaft.

Mittelalter

Im Jahr 1185 übernahm die Familie der Minamoto die Kontrolle über Japan nachdem sie den Klan der Taira im Gempei-Krieg besiegt hatte. Die Minamoto stellten das bestehende System nicht in Frage, sondern schufen ihr eigenes Machtzentrum in Kamakura. Der Kaiser lebte ohne politische Macht weiterhin in seiner Residenz in Heiankyô. Minamoto Yoritomo ließ sich vom Kaiser den Titel des Shogun verleihen und galt fortan offiziell als Vasall des Kaisers. Die erste Phase des Mittelalters, die  Kamakura-Zeit (1192-1333), war geprägt von Machtkämpfen zwischen den mächtigen Kriegerfamilien der Taira und Minamoto. Es war ein bedeutender Wendepunkt in der Entwicklung des Landes. Nach der zentralisierten Regierung des Kaisers, den später der Hofadel mit den Fujiwara an der Spitze ablöste, entstand nun ein Feudalstaat, in dem die Samurai, die Krieger, das Wort führten. Minamoto no Yoritomo, Führer der siegreichen Minamoto-Sippe, ernannte sich 1192 als erster zum Shogun, zum obersten Befehlshaber des Heeres und wurde zum uneingeschränkten Herrscher. Er überließ den Kaiser seinem Hof in Kyoto und organisierte selbst das neue, unabhängige militärische Regierungssystem Bakufu, das sich auf die Schicht der Samurai stützte. Als Regierungssitz wählte er das kleine Küstenstädtchen Kamakura, das später unter der Samuraiherrschaft zu einer großen Stadt heranwuchs. So wurde auch die Epoche 1185-1333 nach Kamakura benannt. Das Bakufu-System bestand bis zum Jahr 1868.
Das Minamoto-Geschlecht starb jedoch bald aus. Seine Macht ging in die Hände der Regenten aus dem Hojo-Geschlecht über. Während ihrer Regierung kam zu bedeutenden Ereignissen: zwei Mal überfielen die Mongolen die südliche Insel Kyushu. Das erste Mal 1274 und dann 1281. Beide Male rettete das japanische Inselreich ein Naturereignis: Kamikaze („göttlicher Wind“) vernichtete jedes Mal die mongolisch-chinesische Flotte und zwang die militärisch überlegenen Kublai-Khan-Truppen zum Rückzug.
Der erfolgreich abgewehrte Einfall der Mongolen war trotz des Sieges eine erhebliche finanzielle Belastung und führte zur Vertiefung innerer Widersprüche des Shogunats. Immer mehr Vasallenfeldherren wendeten sich von der Zentralregierung in Kamakura ab. Das nutzte Kaiser Godaigo, der rebellische Adelige und buddhistische Klöster um sich scharte und sich an die Spitze der Revolte gegen die Kamakura-Regierung stellte. Die Regierung der Hojo-Regenten wurde 1333 gestürzt, die Wiederherstellung der kaiserlichen Macht gelang Godaigo jedoch nicht. 1336 besetzte ein Verbündeter des Kaisers aus dem Geschlecht der Ashikaga Kyoto und setzte einen ihm gefügigen Kaiser auf den Thron. Damit wurde Godaigo seiner Macht enthoben und aus Kyoto verband.
Die Shogune des Ashikaga-Geschlechts wählten als Sitz ihrer Regierung nicht Kamakura, sondern Kyoto, das auf diese Weise wieder zur wirklichen Hauptstadt des Landes wurde. Die Muromachi-Zeit (vom Kyoter Stadtviertel Muromachi, dem Shogunen-Sitz benannt) dauerte bis 1573. Die Macht der Ashikaga begann aber schon Ende des 15. Jahrhunderts zu bröckeln. Eine Folge des Autoritätsverlustes der Ashikaga-Shogune war eine Dezentralisierung der Staatsgewalt. Immer größeren Einfluss gewannen die Daimyo (Lokalfürsten) in en Provinzen. Die Krise fand ihren Höhepunkt im Onin Krieg von 1467. Es begann eine Folge von langen und blutigen Bürgerkriegen, die über 100 Jahre dauerten, es bildeten sich verschiedene Gruppierungen der Feudalfürsten heraus (das so genannte Zeitalter der streitenden Reiche „Sengoku Jidai“)
Der Prozess der Wiedervereinigung begann in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mit der Ergreifung der Macht durch Oda Nobunaga, den Fürsten von Owari an der Pazifikküste Honshus. Es gelang ihm gemeinsam mit seinem General Toyotomi Hideyoshi die Hauptstadt Kyoto einzunehmen und den letzten Ashikaga-Shogun zu vertreiben. Nach seinem Tod durch Verrat seiner Verbundenen führte Hideyoshi den militärischen Einigunsprozess fort. In dieser Zeit entstanden die Grundlagen für die spätere Verwaltung Japans, dazu gehörte die Landvermessung von 1582-88. Etwa um 1590 ist die Phase der Reichseinigung abgeschlossen. Nach dem Tod von Hideyoshi übernahm ein fünfköpfiges Gremium die Regierung, darunter Tokugawa Ieyasu, der schon bald nach der Schlacht bei Sekigahara 1603 die alleinige Herrschaft übernahm und vom Kaiser zum Shogun ernannt wurde.

Neuzeit

Die Herrschaft der Shogunge aus dem Geschlecht Tokugawa dauerte über 250 Jahre. Nach dem kleinen Städtchen Edo (heutiges Tokyo), das die Residenz der Tokugawa war, ging die Epoche als Edo-Zeit in die Geschichte. Von Beginn ihrer Herrschaft an strebte das Tokugawa-Shogunat nach politischer Stabilität, wodurch es sich Sicherung seiner Macht versprach. Die Reformen aus der Edo-Zeit brachten weitreichende gesellschaftliche Veränderungen und eine neue politische, ökonomische und soziale Ordnung mit sich, die zwei Jahrhunderte überdauerte. Einer der ersten entscheidenden Schritte war die Änderung der Haltung gegenüber dem Christentum und den Ausländern. Im wachsenden Einfluss des Christentums und der Ausländer erkannte das Shogunat eine Gefahr und fing damit an die Ausländer aus dem Land zu vertreiben. Gleichzeitig begann eine blutige Christenverfolgung, mit ihrem Höhepunkt Mitte des 17. Jahrhunderts als ein Aufstand der christlichen Bauern in Nagasaki ausbrach und vom Shogunat gnadenlos unterdrückt wurde. Dem Landesverbot für Ausländer folge ein Ausreiseverbot für Japaner unter Todesstrafe. Das Land wurde von der Außenwelt völlig abgeschlossen und isoliert.
Das Tokugawa-Bakufu führte für alle gesellschaftlichen Schichten eine straffe Ordnung ein. Die Grundlage des politischen Systems war das Verhältnis zwischen dem Shogun und seinen Vasallen, die seit der Schlacht bei Sekigahara in zwei Gruppen unterteilt waren: in diejenigen, die schon vor der Schlacht an der Seite des Bakufu standen und diejenigen, die erst angesichts der Übermacht der Tokugawa ihre Treue geschworen hatten. Die Aufteilung von Ländereien erfolgte in einer Weise, die jede Möglichkeit zur Bildung einer Koalition gegen den Shogun ausschloss. Die Kontrolle über die Daimyo brachte die Pflicht, sich am Hofe des Schogun aufzuhalten. Während sich die Daimyo in ihre Provinz begaben, müssten ihre Frauen und Kinder am Hof quasi als Geisel zurückbleiben.
Die Edo-Zeit war eine Friedenszeit und eine Epoche der inneren Reformen und Veränderungen. Die Gesellschaft wurde nach strengen konfuzianischen Regeln in vier soziale Grundklassen aufgeteilt. Die höchste Stellung in der gesellschaftlichen Hierarchie hatten die Samurai. Die weiteren Klassen: Bauern, Handwerker und Kaufleute waren den Samurai unterordnet. Obwohl die Bauern an der zweiten Stelle standen, lebten sie in Wirklichkeit in Armut und rebellierten oft. Anders war die Situation der Handwerker und der Kaufleute. Die rasante Entwicklung der Städte und des Handels bestimmte die gesellschaftlichen und sozialen Veränderungen. Viele Kaufleute wurden so reich, dass sie selbst den Daimyo und die Samurai mit Krediten und finanziellen Hilfen unterstützen, wodurch sie auch verschiedene Privilegien erzwangen.
Ende des 18. Jahrhundert begann die Macht des Shoguns zu wackeln. Wachsende Widersprüche im Land, politische und religiöse Bewegungen (vor allem die Bewegung für die Rückgabe der Macht an den Kaiser und die Bewegung für die Wiedergeburt des Shintoismus) führten zu einer schwierigen Lage der feudal-bürokratischen Regierung der Tokugawa, ein Zusammenbruch erschien unaufhaltsam. Ankunft der Amerikaner (Commodore Perry 1853-54) mit einer Kriegsflotte und die erzwungene Öffnung des Landes leitete das Ende des Shogunats ein.
Den Amerikanern folgten weitere Mächte: Großbritannien, Holland, Russland sowie Frankreich. Japan wurde gezwungen eine Reihe von „ungleichen Verträgen“ zu unterschreiben, die den Ausländern in Japan eine privilegierte Stellung sicherten. Ihre Revision wurde später zur Aufgabe Nummer eins in der japanischen Außenpolitik für mehrere Jahrzehnte.
Die nachgiebige Haltung des Shogunats gegenüber den Ausländern löste eine allgemeine Unzufriedenheit unter der Bevölkerung aus. Die Westprovinzen Satsuma und Choshu schlossen sich mit dem Kaiserhof in eine Koalition. Die Opposition wurde immer stärker. Schließlich trat 1867 der Shogun zurück, seine Anhänger kämpften noch einige Monate weiterund zogen sich schließlich in den Norden des Landes zurück. Mit der Machtübernahme des 14-jährigen Tenno Mitsuhito begann 1868 die neue Meiji-Ära, einer der wichtigsten Wendepunkte der japanischen Geschichte.

Moderne

Die Ankunft der westlichen Mächte und die Demonstration ihrer Macht, ihrer Errungenschaften und Fortschritts. Es wurde klar, dass Japan nur durch tief greifende Veränderungen und schnelle Modernisierung seine Unabhängigkeit bewahren kann. Das Ziel der Reformen war es, die Elemente der alten Gesellschaft abzubauen und aus dem rückständigen Feudalland einen bürgerlichen Staat zu bauen. Japan betrat einen Weg der Umgestaltungen und Erneuerung auf allen Gebieten des politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens, wobei man sich auf viele Westliche Muster stützte. In den ersten Jahren wurde ebenfalls viel in eine starke Armee investiert, rasant entwickelte sich die Industrie. Am Ende der Meiji-Periode hatte sich Japan den Westmächten angeglichen und zu einem starken und einheitlichen Land gewandelt.
Nach Überwindung der ersten Schwierigkeiten im Inneren richteten sich die japanischen Interessen nach außen. Um seine Interessen in Korea zu sichern, führte Japan zwei erfolgreiche Kriege: mit China (1894) und Russland (1904-05). 1910 wurde die völlige Annexion Koreas durchgeführt. Weitere Landesgewinne brachte der 1. Weltkrieg. Wenige Tage nach Kriegsausbruch forderte Japan das Deutsche Reich auf, seine Gebiete um das chinesische Tsingtau zu übereignen. Dem Ultimatum, das unbeantwortet blieb, folgte eine Kriegserklärung, militärische Einnahme von Tsingtau und weiterer deutscher Kolonien. Nach der Oktober-Revolution fing Japan an sich militärisch wieder gegen Russland zu engagieren, denn es wurde befürchtet, dass der revolutionäre Funke auf das eigene Land überspringen könnte.
Im Jahre 1926 begann mit der offiziellen Machtübernahme von Hirohito die Showa-Ära. Mit der Zeit wuchs dann der Einfluss des Militärs auf die Politik und die Forderung, Japan soll Asien vom Einfluss des Westens befreien, wurde lauter. Die Beziehungen zu den USA verschlechterten sich, es folgte eine Isolation des Landes, 1933 trat Japan aus dem Völkerbund aus.
Während des Zweiten Weltkrieges schloss Tokyo mit Berlin und Rom einen Dreimächtepakt, in dem sich die Unterzeichner militärischen, politischen und wirtschaftlichen Beistand zusicherten. Japan versprach sich dadurch, die Unterstützung seines weiteren Vormachtsstrebens in Ostasien zu bekommen.
Wie seine Partner, gehörte Tokyo zu den Verlierern des Krieges. Zwei abgeworfene Atombomben zwangen schließlich die Regierung dazu, die bedingungslose Kapitulation des Landes zu unterschreiben.
Nach dem Krieg erfolgte unter dem amerikanischen Kommando eine Demokratisierung des Landes. Japan wurde zum wichtigsten pazifischen Bündnispartner der USA und stieg zur wirtschaftlichen Weltmacht auf.

 
   
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