Japanische Literatur   Einige der bekanntesten japanischen Schriftsteller  
 
 

Die erste Blütezeit der japanischen Kultur war die Heian-Zeit (800-1200) als damals die Kultur Chinas bei der Alphabetisierung Japans als Vorbild galt. Es war in dieser Zeit üblich, dass Männer aufgrund ihrer höheren gesellschaftlichen Stellung Chinesisch schrieben. Frauen schrieben hingegen Japanisch, d.h. in der einfachen Silbenschrift und schufen Meisterwerke, wie beispielsweise „Die Geschichte des Prinzen Genji“ (Genji Monogatari, von der Hofdame Murasaki Shikibu, verfasst um die Jahrtausendwende), die als der erste Roman der Welt gilt. Das „Kopfkissenbuch“ der Dame Sei Shônagon aus der etwa gleichen Zeit ist ein weiteres Beispiel hierzu. Das klassische japanische Gedicht wurde damals als vornehmes Mittel der Kommunikation sowie als Bildungsnachweis in der Oberschicht genutzt.

Die Leserzahlen wuchsen konstant. Im kriegerischen Mittelalter erweiterte sich der höfische Leserkreis um den Landadel und die Krieger: populär wurden Kriegserzählungen, die von wandernden Erzählern rezitiert wurden. Während des Landeseinigungsprozesses um das Jahr 1600 hatte es unter der Herrschaft der Tokugawa Bedingungen gegeben, die zur Entstehung einer politisch unbedeutenden aber wirtschaftlich mächtigen bürgerlichen Schicht geführt haben. Während dieser Zeit entstand das Haiku.

Bis zum Ende der Tokugawa-Periode stieg kontinuierlich die Alphabetisierungsquote im Land an: Die Leselandschaft wurde von vielen Mechanismen einer modernen Literaturproduktion geprägt (Verlege, Berufsautoren, Leihbibliotheken). Neue Prosagenres: format- und farbbunte Hefte erschienen in einer Vielzahl und richteten sich nach dem Lesergeschmack. Dazu gehörten auch humoristische Erzählungen, Geschichten aus den Freudenvierteln. Die Zentralgewalt versuchte damals durch verschiedene Zensurmaßnahmen die Leserschaft politisch zu entmutigen. Im Allgemeinen hatte die Literatur unter den Vertretern der Schicht der Kaufleute kein großes Ansehen.

Anfang der Meiji-Zeit (1868) änderte sich die Situation nicht, da es eine Reihe politischer und gesellschaftlicher Probleme dringender war. Die Wende kam mit den Einflüssen aus dem Westen. Etwa um 1880 entstand eine eigenartige Gattung des politischen Romans, womit eine wichtige Strömung der modernen japanischen Literatur gegründet wurde, die sozialgesellschaftliche Missstände aufklärte. Dazu zählt die „Arbeiterliteratur“, proletarische Literatur sowie auch Werke mit pazifistischem Charakter, die die Traumata des Zweiten Weltkrieges, Kriegshorror und die Atombombenabwurfe thematisierten.
 
 
 

bashoBashō (1644 - 1694, eigentlich Matsuo Munefusa) gilt als Meister der japanischen Versform Haiku. Obwohl in eine Samuraifamilie hineingeboren, wurde er ein Wanderer, der den Weg des Zen studierte und sich klassischer chinesischer Poesie zuwandte. Die Struktur seiner Haiku spiegelt die Einfachheit seiner meditativen Lebensweise wider. Wenn er das Bedürfnis nach Einsamkeit verspürte, zog er sich zurück in sein bashō-an, eine Hütte aus Bananenblättern (bashō), daher auch sein Pseudonym. Er versah viele seiner Verse mit einer mystischen Qualität und versuchte, die großen, weltbewegenden Themen durch einfache Naturbilder auszudrücken, vom Vollmond im Herbst bis zu den Flöhen in seiner Hütte.

 
moriMori Ōgai (1862 - 1922) war ein Arzt, Romanautor und Übersetzer. Sein wirklicher Vorname war Rintarō. Mori ging von 1884 bis 1889 nach Berlin, um Medizin zu studieren, hier vertiefte er sich auch in europäische Literatur und Philosophie. Er übersetzte viele deutsche Werke ins Japanische, unter anderem den "Faust" von Goethe (erschienen 1913). Er führte auch die deutsche Ästhetik in Japan ein und hielt diverse Vorträge darüber an der Universität Tokyo. Für seine Werke charakteristische Merkmale sind eine durchdachte Konstruktion und ein hoher Stil. Seine Prosa gilt als 'Urbild' der modernen japanischen Sprache.
 
natumeNatsume Sōseki (1867 – 1916, eigentlich Natsume Kinnosuke) gehört zu den berühmtesten japanischen Schriftstellern der Meiji-Zeit. Natsume Sōsekis Schriftstellerkarriere begann, als er eine Kurzgeschichte mit dem Titel "Ich, der Kater" schrieb. Diese Geschichte gelang so gut, dass er sie in der bekannten Literaturzeitschrift Hototogisu veröffentlichte. Die Reaktionen der Leser waren sehr positiv, und kurz darauf veröffentlichte er mit der Novelle "Botchan" ein zweites Werk, das ihm wiederum sehr viel Applaus. Als er seinen Ruf als Schriftsteller damit etabliert hatte, legte er 1907 seine Professur nieder und schrieb den ganzen Tag an seinen Novellen. Er veröffentlichte nun jedes Jahr eine Novelle bis zu seinem durch Magenkrebs herbeigeführten Tod im Jahr 1916.
 

mishimaMishima Yukio (1925 - 1970, Geburtsname Hiraoka Kimitake) war Schriftsteller und politischer Aktivist. Mishima schrieb Romane, Schauspiele, Erzählungen sowie Gedichte und ein Libretto. Er ist sowohl bekannt für seine nihilistische Nachkriegsliteratur als auch für die außergewöhnlichen Umstände seines Suizids (ritueller Selbstmord). Als Schriftsteller wurde er bekannt durch seinen rhetorischen Stil, die fein entwickelte Komposition und einen sehr reichen Wortschatz. In seinem wichtigsten Aufsatz Bunka Beiron (englisch A Defense of Culture) argumentierte er, dass der Tennō, der Kaiser von Japan, die Quelle der japanischen Kultur ist, und die Verteidigung des japanischen Kaisers auch die Verteidigung der japanischen Kultur sei. Während der 60er-Jahre schrieb Mishima einige seiner erfolgreichsten Erzählungen und trat unter anderem in Filmen auf. Er wurde mehrfach als möglicher Kandidat für den Literaturnobelpreis genannt.

 
oeŌe Kenzaburō (geb. 1935) ist Literaturnobel-preisträger 1994. Noch als Student begann er 1957 zu schreiben, unter dem Einfluss zeitgenössischer französischer und amerikanischer Literatur. Er erhielt zahlreiche Preise und ist aktiv in der Friedens- und in der Ökologiebewegung tätig. Ōe, dessen Sohn geistig behindert ist, verfasst oft sehr persönliche, halbautobiographische Werke; Eine persönliche Erfahrung (1964) handelt zum Beispiel von der Geschichte eines Mannes, der versucht, mit der geistigen Behinderung seines Sohnes zurechtzukommen.
 
 
 
   
© MIKI Reisen GmbH