Manga: seit Anfang des 20. Jahrhunderts die Bezeichnung für Comics in Japan. Mangahefte erscheinen jede Woche in so hohen Auflagen, dass sie inzwischen mehr als ein Drittel aller Druckerzeugnisse in Japan darstellen. Dabei ist es üblich, einen Stoff zunächst als Serie, bei Erfolg auch als Buch zu vermarkten.

 
   

Die Kombination aus Wort und Bild hat in Japan eine lange Tradition. Als Vorläufer der modernen Manga werden vor allem die Bild- und Lesehefte der Edo-Zeit (1600-1868) gesehen. Infolge der Einführung europäischer Druck- und Zeichentechniken Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die politische Karikatur zum Stilmittel der Kritik an den bestehenden sozialen und politischen Misständen. Doch infolge der starken Zensur verloren die Karikaturen allmählich ihre Schärfe und unpolitische Bildergeschichten für Kinder wurden populär. Nach 1945 erzählen die Kinder-Manga (yonen manga) vor allem spannende Geschichten über junge Helden, die gegen das Böse kämpfen. In den 50iger Jahren erschienen dann zum ersten Mal eigenes für 10-18 jährige Mädchen entworfene Manga (shojo manga). Inzwischen gibt es manga für alle Leserschaften: für Jungen im Alter von 10-18 J. (shonen manga), junge Männer (seinen manga), junge Frauen (lady's comic), Erwachsene (seijin manga), Senioren (silver manga). Wundern Sie sich daher nicht, wenn Sie in der Tokioter U-Bahn plötzlich feststellen, dass mindestens die Hälfte aller Fahrgäste ein Mangaheft in der Hand hält und in die Lektüre vertieft ist.
   
Neben dieser geschlechts- und altersspezifischen Zielgruppenstruktur gibt es eine unglaubliche T hemenvielfalt: von Romantik über Comedy, Horror, Fantasy, Science Fiction, Erotik, Sport, Krimis bis hin zu vielen verschiedenen Sachthemen. Da kann man sehr leicht den Überblick verlieren. Um herauszufinden, was Sie eigentlich lesen möchten, gehen Sie einfach in eines der gemütlichen Manga-Cafés (Manga-Kissa) mit über 10,000 Manga-Bänden in den Regalen und leihen sich einen Band aus. Für Besucher, die keine japanischen Schriftzeichen lesen können, bieten die Computer-Terminals, an denen Sie entweder im Internet surfen oder Playstations mit den neuesten Computerspielen ausprobieren können, eine mögliche Beschäftigung. Selbstverständlich gibt es Japan auch zahlreiche Manga-Fanclubs. Dort können Manga-Fanatiker ihre Eindrücke, Erfahrungen und Meinungen austauschen.
   
Die Kombination aus Wort und Bild im Manga unterscheidet sich grundlegend von der in europäischen oder amerikanischen comics. Im direkten Vergleich steht in japanischen comics eher die Handlung im Vordergrund, die Bilder orientieren sich an Zeichen. Das heißt, das Lesen ist zum Verstehen der Geschichten sehr wichtig. Außerdem sind Manga bis auf wenige Farbseiten in schwarz-weiss gehalten und werden in japanischer Leserichtung "von hinten nach vorn" und "von unten nach oben" gelesen.
   

Anime: Der japanische Zeichentrickfilm, anime, ist eng verbunden mit den Manga. Anders als in Europa, wo Zeichentrickfilme vorwiegend als Unterhaltung für Kinder verstanden werden, richten sich anime an ein breites Publikum. Die Mehrheit der japanischen Zeichentrickfilme beruht auf erfolgreichen Manga, gelegentlich ist es auch umgekehrt. Die ersten japanischen Zeichentrickfilme entstanden bereits Anfang des 19. Jahrhunderts. Doch die Erfolgsgeschichte der Anime-Industrie in Japan begann 1963 erst mit der Fernsehserie Astroboy von Tezuka Osamu. Welche Bedeutung Zeichentrickfilme in Japan haben, kann man an der Tatsache erkennen, dass sie stets zu den zehn erfolgreichsten Kinofilmen in Japan zählen. Inzwischen sind anime wie "Chihiros Reise ins Zauberland" aus dem Jahr 2001 auch erfolgreich nach Amerika oder Europa exportiert worden.

    Tonari no totoro (Mein Nachbar Totoro); 1988,
Regie: Hayao Miyazaki (Studio Ghibli)
 
       
   
  Mononoke hime (Prinzessin Mononoke); 1997, Regie: Hayao Miyazaki (Studio Ghibli)  
 
   
© MIKI Reisen GmbH