TokyoJapanische Wirtschaft

Japans hoch entwickelte Volkswirtschaft ist rohstoffabhängig wie kaum eine andere (Hauptimportgut: mineralische Brennstoffe, 21,7% aller Einfuhren). Außerdem ist sie abhängig von aufnahmebereiten Exportgütermärkten und angewiesen auf die Toleranz anderer in Bezug auf seine immer noch restriktive Importpolitik. Am Bruttoinlandsprodukt (BIP) Japans hatte das verarbeitende Gewerbe 2003 einen Anteil von 20,8%, auf den Agrarsektor entfielen 1,3%, auf den Dienstleistungssektor 67,9%.

Drei der führenden japanischen Großbanken, deren Ansehen in der Bevölkerung dank ruinöser Kreditgeschäfte schwer beschädigt ist, schrieben 2003/04 erstmals wieder schwarze Zahlen. Der Nikkei-Index verzeichnete seinen höchsten Anstieg seit drei Jahrzehnten (47%, nachdem er im März 2003 unter 8.000 Punkte fiel, 80% unter dem Höchststand von 1989). Für den Finanzmarkt Japan ein wichtiger Schritt, nachdem 2002 die Kreditwürdigkeit Japans vorübergehend auf einem Level mit Lettland und Botswana eingestuft worden war. In den letzten Jahren nahmen Investitionen wieder zu, ebenso der private Konsum nach jahrelanger Zurückhaltung. All dies spiegelt sich auf dem Arbeitsmarkt: die Arbeitslosigkeit hatte im Dez. 2001 den höchsten Stand seit dem 2. Weltkrieg erreicht, verharrte seit 2003 offiziell bei 5,5% und sank bis 2004 auf 4,7%, wo sie mit geringen Schwankungen bis heute blieb. Die Tradition lebenslanger Anstellung in großen Firmen wird immer mehr relativiert. Die Geldpolitik der USA (angekündigte Zinserhöhungen) werden als Risiko für das gerade sich stabilisierende Wachstum (acht Quartale in Folge) betrachtet.
Devisenreserven: 825 Mrd. US$ (2005)
BIP: 532.289 Mrd. Yen, Wachstumsrate: 2,7% (2004)

 
         
 

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Währung
Yen (¥). 1949-1971 bestand eine feste Parität zum US$ von 360 Yen. 1973 wurde der Wechselkurs freigegeben, er ist seither erheblichen Schwankungen unterworfen.

 

Bankwesen

Zentral- und Notenbank ist die Bank of Japan (Nihon Ginko, gegr. 1882). Daneben gibt es 148 weitere Banken. Bodenspekulationen während der sog. Seifenblasenwirtschaft und die großzügige Vergabe hoher Kredite, die letztlich nicht mehr bedient werden konnten, führten zu einer Krise zahlreicher Banken. Die 16 führenden Banken bezifferten die Problemkredite auf 17,25 Bio. Yen.

Entwicklungshilfe

Japan zahlt 20% der gesamten Entwicklungshilfe der Mitgliedsländer des OECD-Entwicklungshilfeausschusses. Hauptempfänger: China (1,441 Mrd. US$), Indonesien (867 Mio. US$), Philippinen (801 Mio. US$).

 
         
 

Wirtschaftsstruktur

Die Nachkriegsentwicklung Japans läßt sich in drei Phasen einteilen:
1.) Wiederaufbau (bis 1953) und Entwicklung der Grundstoffindustrien (bis 1960)
2.) Ausbau der Konsumgüterindustrie (bis 1965)
3.) Die beispiellose Expansion des verarbeitenden Gewerbes (bis in die 1990er), verbunden mit hohen Exportüberschüssen.
Die Grundlage für den Wirtschaftsaufschwung bildeten Maßnahmen der US-Besatzungsmacht (Agrarreform, Entflechtung der Großkonzerne (Zaibatsu) und Schaffung eines moderneren Gewerkschaftssystems), hohe persönliche Sparraten, hohes Bildungsniveau, Technologie-Importe und hohe Aufwendungen für eigene Technologie-Entwicklungen. Naturräumlich bedingt, hat sich die Industrie vor allem in den großen, bis an die Küste heranreichenden Ebenen niedergelassen (Großräume Tokyo/Yokohama, Nagoya, Osaka/Kobe).
Ziele der japanischen Wirtschaftsplanung: Senkung der Arbeitslosenrate, Preisstabilität, Ausgleich der Zahlungsbilanz, internationale wirtschaftliche Kooperation, Sicherung der Energieversorgung, Verbesserung der Lebensqualität, Sicherung des Lebensstandards, Entwicklung alternativer Energieformen.

 

Landwirtschaft

Nur 11,6% der Fläche Japans wird als Ackerflächen genutzt. Der Gebirgscharakter zwingt in weiten Gebieten zum Terrassenbau. Hauptanbauprodukte: Reis und anderes Getreide, Obst, Gemüse. Intensiver Maschineneinsatz, Düngung und Treibhausbetriebe erbringen hohe Produktivität. Die Lebensmittel-Selbstversorgungsrate liegt bei 66%. Japan ist größter Importeur von US-Agrarprodukten.

Fischerei

Japan ist die zweitwichtigste Fischereination der Erde. Muscheln, Tintenfische und ein Teil der Fische werden in Küstennähe gefangen oder gezüchtet. Daneben sind Fangflotten im Ausland stationiert. Wale werden offiziell nur zu wissenschaftlichen Zwecken gefangen. Nach den Untersuchungen kann das Fleisch als Delikatesse verkauft werden.
 
         
 

Bodenschätze

Trotz der Vielzahl mineralischer Vorkommen ist Japan, am Inhalt der Lagerstätten gemessen, ein rohstoffarmes Land. Der Kalkstein-, Schwefel-, Kaolin- und Silber-Eigenbedarf kann durch die Gewinnung gedeckt werden, während Kupfer, Erdöl, Bauxit, Eisen und andere Mineralien importiert werden. Salz wird in Verdampfungsanlagen aus Meerwasser gewonnen.

Energiewirtschaft

2003 betrug Japans Stromproduktion 1,017 Mrd. kWh. Strom wird weder aus- noch eingeführt. Nach einer Untersuchung des nationalen Energieausschusses (1994) sollen bis 2010 der Erdölanteil an der Energiegewinnung verringert, dagegen Kernkraft, Erdgas und alternative Energiequellen sowie Energiesparmaßnahmen gefördert werden.

Außenhandel

Die Handelsbeziehungen stellen einen ständigen Reibungspunkt auch mit befreundeten Staaten dar. Einerseits werden von Japan, wenn es einen hohen Marktanteil auf westlichen Auslandsmärkten erzielt, „freiwillige Exportbeschränkungen“ gefordert, andererseits werden die „unsichtbaren Handelsschranken Japans“ (z.B. Beschränkung von Ausschreibungen auf das Inland, kostenerhöhende Zolllagerzeiten u.a.) immer stärker kritisiert.

 

Handelspartner

Hauptlieferländer: China 20,7%; USA 13,7%; Südkorea 4,8%; Australien 4,3%; Indonesien 4,1%; Saudi-Arabien 4,1%; Vereinigte Arabische Emirate 4,0%; Deutschland 3,7%; Taiwan 3,7%.
Hauptabnehmerländer: USA 22,4%; China 13,1%; Südkorea 7,8%; Taiwan 7,4%; Hongkong 6,3%; Thailand 3,6%; Deutschland 3,4%; Singapur 3,2%; Großbritannien 2,7%;.

 
         
 
   
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