Bekenntnisreligionen im europäischen Sinne gibt es in Japan nicht. Shintoismus, Buddhismus und sogenannte Neue Religionen koexistieren in friedlicher Weise. Es ist außerdem kein Widerspruch verschiedenen Glaubensgemeinschaften anzugehören. Diese religiöse Toleranz wurde zwar durch den Giftgasanschlag der Aum-Sekte 1995 tief erschüttert, aber nicht aufgegeben.

ToriiShintoismus: kurz Shintô, wörtlich: "Weg der Götter", wird oft als Ur-Religion Japans bezeichnet, doch sollte nicht von einer ununterbrochenen Tradition ausgegangen werden. Das Wort Shintô , die japanische Lesart von shen-tao, "Weg des Heiligen", wird erst ab dem 15. Jahrhundert zum Synonym für einen einheimischen (japanischen) Natur- und Seelenkult. Dabei handelt es sich nicht um ein einheitliches religiöses Gedankengebäude mit einer heiligen Schrift. Es existieren vielmehr verschiedene Glaubensvorstellungen und Riten, die lokal recht unterschiedlich sein können und sich über einen langen Zeitraum verändert haben. Ihr gemeinsamer Grundgedanke ist jedoch der Glaube an Gottheiten, kami , die sich im Wirken der Natur offenbaren und in Gestalt bestimmter Tiere, Gegenstände oder abstrakter Wesen auftreten können. Verehrt werden jene Gottheiten in Schreinen, gut erkennbar an ihren meist freistehenden, rotlackierten Eingangstoren (torii: Foto rechts). Doch jeder Japanreisende wird auch außerhalb von Schreinen auf Orte der kami stoßen: riesige Bäume oder Felsen, an denen ein Götter-Seil (shimenawa) angebracht ist und die Anwesenheit einer Gottheit oder einer göttlichen Kraft symbolisiert. Symbolische ReinigungDaher dürfen wenigstens Bäume innerhalb eines Schreingeländes nicht gefällt werden. Im Mittelpunkt aller shintôistischen Kulthandlungen stehen Reinigungszeremonien: äußere Unreinheiten sollen mit Wasser weggewaschen, böse Geister durch das Werfen von Salz oder Schwenken von Zweigen bzw. Papierfahnen vertrieben werden. So wird auch jeder Schreinbesucher beim Betreten eines Schrein-Bezirks höflich gebeten, eine symbolische Reinigung zu vollziehen: an einem meist steinernden Wasserbecken Mund und Hände von äußeren Verunreinigungen befreien.

Nach der Einführung des Buddhismus in Japan beeinflussten sich shintôistische und buddhistische Glaubensvorstellungen jahrhundertelang wechselseitig. Es entstanden lokale Heiligtümer mit Kultstätten für Buddhas und für Gottheiten, die t rotz der räumlichen Nähe aber nach jeweils eigenen Riten verehrt wurden. Doch im Laufe der Edo-Zeit (1603-1868) gab es bereits erste Ansätze diese religiöse Praxis zu beenden und Schreine gegenüber buddhistischen Tempeln aufzuwerten. Heian Jingu in KiotoIm 19. Jahrhundert entwickelte sich schließlich eine Denkrichtung, die den Shintô in seine "Ur-Form" zurückführen wollte, die vom Buddhismus überlagert worden sei. Diese Idee eines "Ur-Shintô" wird nach der Meiji-Restauration von 1868 für das politische Ziel der neuen Regierung, die Wiederherstellung der politischen Macht des Kaiserhauses, ideologisiert. Nach der "Trennung von kami und Buddha" per Gesetz (shinbutsu bunri), wurde Shintô zum nationalen Staatskult um die Person des Kaisers. Doch um die in der Meiji-Verfassung von 1889 garantierte Religionsfreiheit nicht zu verletzen, wurde zwar die Göttlichkeit des Kaisers betont, Shintô jedoch als nicht-religiöser Kult definiert, dem nachzugehen die patriotische Pflicht aller Japaner sei. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurde der Staats-Shintô ( kokka-shintô ) abgeschafft und die staatliche Finanzierung der Schreine eingestellt. Heute werden Shinto-Riten zumeist für die Segnung von Kindern, für Hochzeiten sowie für die Einweihung von Gebäuden in Anspruch genommen.

Buddhismus: gelangte im 6. Jahrhundert von Indien über China und Korea nach Japan. Zunächst fand die fremde Religion ihre Anhänger in der Oberschicht, vor allem unter den einflussreichen Reformkräften am japanischen Hof, die bestrebt waren, ein Staatswesen nach chinesischem Vorbild zu errichten. Mit der Gründung der Hauptstadt Nara im Jahr 710 wurde der Buddhismus nahezu Staatsreligion der entstehenden Zentralmacht. Infolge des praktizierten Synkretismus zwischen buddhistischem und shintôistischem Glauben und durch eine einflussreiche Priesterschaft wurde der Buddhismus allmählich zum politischen Machtfaktor.

Todaiji NaraIn der Heian-Zeit (794-1185) erbreitete sich der Buddhismus allmählich auch im Volk, wobei alle buddhistischen Schulen die Lehre unterschiedlich auslegten und dadurch ihre Anhänger in jeweils bestimmten Gesellschaftsschichten fanden. Die Tendai-Schule, gegründet 805 von Mönch Saichô, berief sich allein auf das Lotus-Sutra im Mahâyâna-Buddhismus ("großes Fahrzeug"). Danach wird alles Irdische als Erscheinung der einen Buddha-Wesenheit angesehen und durch Erkenntnis dieser Wesenheit kann der Mensch nur erlöst werden. Im Mittelpunkt der 806 von Mönch Kûkai gegründeten Shingon-Sekte steht ebenfalls der Glauben an einen einzigen Buddha, den Dainichi-nyôrai , der das gesamte Weltreich verkörpere. Mit welchen Riten der Mensch zur Identität des Dainichi-nyôrai , dem Absoluten, geführt wird, ist ein streng behütetes Geheimnis, das der Lehrer an seine Schüler weitergibt. Im Gegensatz zu diesen komplizierten oder gar "mystischen" Lehren und Praktiken, verspricht die 1175 von Mönch Hônen gegründete Jôdô-Schule ( jôdô-shû, wörtl. "Sekte des Reinen Landes") Erlösung und Eingang ins Paradies des "Reinen Landes" allein durch die Anrufung Amida-Buddhas. Diese einfache Möglichkeit die Gnade Buddhas zu erreichen - von der jôdô-shinshû ("Neue Sekte des Reinen Landes") später noch stärker betont - übte auf die Mehrheit der Samurai große Anziehung aus. Zunehmender Sittenverfall unter den Mönchen und politische Unruhen lösten im Mittelalter neue buddhistische Erweckungsbewegungen aus, darunter Nichiren - und Zen -Buddhismus. Nichiren , zunächst Mönch der Tendai-Schule, lehnte nach intensiven Studien die Auslegungen aller bestehenden Lehrrichtungen ab und gründete 1253 seine eigene Sekte, die Nichiren-shû . Nach Auffassung der Nichiren-Anhänger ist nicht Buddha, sondern allein das heilige Lotus-Sutra veehrungswuerdig und folglich die einzige geistige Lehrschrift. Zen (wörtl. "Meditation") ist unter dem Namen Chan in China entstanden, breitete sich ab dem 13. Jh. in Japan aus und wurde bald zu einer eigenständigen Richtung innerhalb des japanischen Buddhismus, präsent in drei Zen-Schulen: Sôtô , Rinzai und Ôbaku . Zen-Mönche traten aufgrund ihrer ausgezeichneten Chinesischkenntnisse häufig als Vermittler zwischen China und Japan auf, brachten Teetrinken in Mode und prägten die japanische Gartenarchitektur.

Kiyomizudera KiotoIn einer zweiten Niedergangsphase wurden die mächtigen buddhistischen Klöster selbst zu Zentren der politischen Macht mit eigenen Heeren, die sich aktiv an den Bürgerkriegen des 16.Jh. beteiligten und erst nach blutigen Feldzügen zerschlagen werden konnten. Nach der Einigung des Reiches unter dem Tokugawa-Shogunat im 17.Jh wurde der Buddhismus zu einem Instrument der Verwaltung: alle Familien mussten sich in ihrem Tempel registrieren lassen. Infolge der ideologischen Aufwertung des Shintô nach 1868, geriet die buddhistische Priesterschaft erstmals in Existenznöte. Nichtsdestotrotz gibt es heute zahlreiche buddhistische Schulen und Sekten, die fester Bestandteil des religiösen Lebens sind und vorwiegend den Mahâyâna-Buddhismus ("Großes Fahrzeug") lehren: sie streben danach, die Erleuchtung bzw. Buddhawerdung in diesem Leben zu erlangen. In der Frage, wie dieses Ziel zu erreichen ist, gehen die Meinungen allerdings auseinander. Meditation wird zwar allgemein geübt, ist aber vor allem für Anhänger der Zen-Schulen unumgänglich. Dagegen halten Jôdô-shû , jôdô-shinshû oder Nichiren-shû die Rezitation von Gebetstexten - ob nun ganze Sutren oder bloß den Namen eines Sutra oder Buddha - für entscheidend. Der esoterische Buddhismus, heute vor allem durch die Shingon -Sekte vertreten, legt wiederum besonderen Wert auf Rituale und Taktiken mit dem Ziel, durch eine geheime Kombination von Gebetsformeln, Handzeichen und geistiger Konzentration Erleuchtung zu gelangen.
 
   
   
   
   
 
 
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