Shodô

(der japanische "Weg des Schreibens")

Im 14. Jahrhundert entwickelte sich in Japan unter dem Einfluss des Zen-Buddhismus aus der 3000 Jahre alten chinesischen Schreibkunst der "Weg des Schreibens" - Shodo , eine hochgeschätzte Kunst, mindestens ebenbürtig mit der Malerei.
Ganz im Gegensatz zur westlichen Kunstauffassung dient die Ausübung von Kunst in Japan nicht hauptsächlich der Schaffung eines Kunstgegenstandes. Im Mittelpunkt der sog. Wegkünste steht die Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbst, wobei innere Einkehr während meditativer, ritualisierter Handlungen erreicht werden soll.

 

Shodô ist eine dieser Wegkünste, daher ist die Übersetzung "Kalligraphie" nicht ganz zutreffend. Mit Kalligrafie assoziiert man in der westlichen Welt Eigenschaften wie Gleichmaß und Präzision, während im Shodô das Werk durch die unmittelbar, aus einem einzigen Impuls heraus und in einem Fluß aufgebrachten Pinselstriche seinen besonderen Ausdruck erhält. Schreiben an sich wird hier als Kunstausübung betrachtet. Dabei ist die Handlung, das Schreiben, oft wichtiger als das Ergebnis, das Geschriebene.

 

Die verwendeten Werkzeuge sind Pinsel, Tuschestange und -stein, sowie das Papier als wesentlicher Bestandteil. Vor dem eigentlichen Schreiben wird Tusche von der Tuschestange im Tuschestein mit Wasser oder Wein angerieben. Der Schreibakt ist oftmals impulsiv, so daß die Schriftzeichen z.T. zwar schwer leserlich, aber umso ausdrucksstärker sind. So werden Stimmungen und Gefühle ausgedrückt und aus abstrakten Schriftzeichen entstehen Kunstwerke. Shodo ist eine Verschmelzung zwischen der emotionalen Handlung des Schriftmalens und einer philosophischen Aussage - sowohl künstlerische Ästhetik als auch geistiger Inhalt werden in dem Werk schöpferisch gestaltet.

 
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